Die ORF News vom 3. Juli 2026 brachten einen interessanten Vergleich zwischen der Länge und Häufigkeit von schulfreien Zeiten in einzelnen europäischen Ländern. Es ist hervorzuheben, dass es sich hierbei ausdrücklich um schul- und nicht um kindergartenfreie Zeiten handelt. Dass Kindergärten als Bildungseinrichtungen den Schulen gleichgestellt sind und daher auch die Ferien bei beiden gleich lang und gleich häufig (im Gegensatz zu den Kindertagesstätten für die Betreuung von Kleinkindern), gibt es nur in Italien, somit auch in Südtirol.

Insgesamt dauern Sommerferien für Schüler und Schülerinnen laut ORF in Italien 97 Tage. Dies wird oft mit den klimatischen Verhältnissen begründet, stimmt aber nicht, sondern ist historisch bedingt, als noch die Kindermitarbeit in der Landwirtschaft gebraucht wurde. Das ist auch der Grund, warum in Irland, das viel weiter nördlich liegt, die Schule im Sommer 96 Tage geschlossen bleibt und in den baltischen Staaten immerhin noch 80 Tage. In Spanien dauern Sommerferien 78 Tage, in Österreich 63, in Frankreich 56, in Deutschland 44 und in Dänemark 42 Tage.

Die unterrichtsfreie Zeit für das gesamte Jahr beträgt in Irland 131 Tage, in Italien und Frankreich 112, in Österreich 99, in Deutschland 82 und in Dänemark 78 Tage. Dabei gibt es übers Jahr verteilt in den einzelnen Ländern unterschiedlich häufig kleinere  Ferien, worunter Zeitabschnitte von mindestens einer Woche Dauer gemeint sind. In Italien ist das am wenigsten oft der Fall, nämlich nur zweimal, einmal im Sommer und einmal in der Weihnachtszeit. In Südtirol ist es etwas anders, da es hier mittlerweile auch im Herbst und zu Fasching eine freie Schulwoche gibt und die Sommerferien dadurch etwas kürzer ausfallen. Eine Besonderheit stellt Luxemburg dar mit sechs Schulunterbrechungen bei 110 Ferientagen während des ganzen Jahres.

Was sagen nun die Lernpsychologen dazu? Schüler und Schülerinnen brauchen „Phasen, in denen schulischer Leistungsdruck, frühes Aufstehen, Prüfungen und feste Stundenpläne wegfallen (..). Aber: Erholung bedeutet nicht Nichtstun, sondern auch Abschalten, Entspannung, selbstbestimmte Aktivitäten, Bewegung, Spiel und soziale Zeit mit Familie und Freundinnen und Freunden.“ Der sogenannte „Ferieneffekt“ – gemeint ist das Vergessen des Erlernten über die großen Ferien bei manchen Kindern – hängt weniger von der Länge als von der Gestaltung der Ferien ab und von der geistigen Anregung und Förderung, welche die Kinder erfahren. Die große Herausforderung ist dabei die richtige Betreuung. Eltern haben weniger Urlaub, Großeltern oder Verwandte stehen nicht zur Verfügung, erschwingliche geeignete Ferienangebote sind rar. Dadurch „entstehe ein Betreuungsproblem, das häufig Alleinerziehende und Familien mit geringeren Einkommen betreffe.“

Aus lern- und bildungspsychologischer Sicht gibt es keine „optimale“ Dauer der Sommerferien, wichtig ist die Gestaltung der Ferien.  Dabei ist es sinnvoll, Ferien stärker über das Schuljahr zu verteilen, anstatt eine sehr lange Sommerpause zu haben, um Schülerinnen und Schülern bessere Erholungsmöglichkeiten über das Jahr hinweg zu ermöglichen.